Stellungnahme zum Entwurf des neuen Steirischen Bienenzuchtgesetzes

December 17, 2018

An das Amt der Steirischen Landesregierung

 

Wir, der Vorstand des Österreichischen Buckfastzuchtverbandes (Mitglied der Gemeinschaft der Europäischen Buckfastimker = GdeB), lehnen den vorgelegten Entwurf zum neuen Steirischen Bienenzuchtgesetz ab. Er ist diskriminierend, unnötig kompliziert und wird nur zu noch mehr Streitigkeiten, Anzeigen und Gerichtsverfahren führen.

 

Die Buckfastbiene erfreut sich in ganz Österreich, so auch in der Steiermark, einer steigenden Anhängerschaft. Beim vorliegenden Entwurf wird zwischen Carnica und anderen Bienenrassen unterschieden. Carnicabelegstellen dürfen sich Reinzuchtbelegstellen nennen, für Buckfast gäbe es nur Vermehrungsbelegstellen. Derartige diskriminierende Unterscheidungen sind rundum abzulehnen. Buckfast und Carnica sind heute beides Zuchtrassen [1] und können beide nur über sichere Belegstellen und künstliche Besamung erhalten und weiterentwickelt werden [2]. Entgegen dem Entwurf ist die Carnica keine gefährdete Bienenrasse. Bei der Sitzung des Steirischen Erwerbsimkerbundes am 3. Oktober 2018 in Söding führte IM Ing. Marek (Imkerbund Steiermark) aus, dass das Ziel der Steirischen Carnicazucht ein "Hochleistungstier" ist [3]. Der Vertreter der Landwirtschaftskammer ergänzte laut Protokoll des Erwerbsimkerbundes, dass es Herrn Marek um die Leistungszucht geht. Weiters führte der Vertreter eine Definition von Rasse an, die ganz klar die Definition einer Zuchtrasse ist [3]. Für Zuchtrassen und nicht gefährdete Bienenrassen wie die Carnica benötigt man keine Reinzuchtgebiete. Diese werden daher vollumfänglich abgelehnt.

Die geplanten Einschränkungen in der Bienenzucht werden abgelehnt. Die geplante Anerkennung von Zuchtverbänden greift in die Vereinsfreiheit ein. Zucht bei den Zuchtrassen Buckfast und Carnica findet heute in staatenübergreifenden Zuchtverbänden statt. Die ACA über beebreed, bei der Buckfast über die GdeB. Der Deutsche Imkerbund (DIB) hat die Buckfast als gleichwertige Zuchtrasse neben der Carnica anerkannt. Ebenfalls hat der DIB anerkannt, dass die Kompetenz der Buckfastbienenzucht bei der GdeB liegt. Ausdrücklich wurde anerkannt, dass für die Buckfast die Zuchtordnung und Zuchtwertschätzung der GdeB gilt [4]. Bezüglich der Leistungsprüfung und Zuchtwertfeststellung bei der Buckfastzucht wird auf den Fachartikel "Versuch einer Standortbestimmung: Das Zuchtprogramm für Buckfastbienen" von Univ. Prof. Dr. Förster verwiesen [5]. Eigene vorgeschriebene Steirische Zuchtregeln, die den Regeln der GdeB widersprechen, würden defakto ein Zuchtverbot der Buckfast in der Steiermark bedeuten.

 

Gemäß dem Belegstellenbericht 2016 waren in dem Jahr in der Steiermark lediglich 10 genehmigte Carnica Belegstellen in Betrieb. Davon lediglich 6 mit wesentlichen Auffuhrzahlen. Der Großteil der genehmigten Belegstellen war somit entweder nicht in Betrieb oder hatte keine nennenswerte Nutzung [2]. Es gibt somit genügend Belegstellen, die man an die Buckfastzüchter übergeben kann, ohne weitere Gebiete für die Imkerschaft sperren zu müssen. Wir verlangen genauso sichere Reinzuchtbelegstellen, wie sie auch Carnicazüchter nutzen können.

 

Analog dem Erwerbsimkerbund bevorzugen wir das Vorarlberger Bienenzuchtgesetz. Das Gesetz ist kurz und verständlich, regelt dennoch aber alles Wesentliche. Vorarlberg behandelt alle Zuchtverbände gleich. Seit Jahrzehnten bestehen in Vorarlberg Buckfastbelegstellen und Carnicabelegstellen und zeigen, dass ein friedliches Miteinander keine Utopie ist. Das Bienengesetz in Vorarlberg enthält trotz der Kürze einen Bienenschutzparagraphen, der befürwortet wird. Für die Abstände von Wanderbienenvölkern zu Fixständen schlagen wir einen Abstand von 200 Metern vor (Regelung von NÖ). Angesichts des Umstandes, dass heute alle Imker ihre Bienenstände binnen 7 Tagen in das VIS eintragen müssen, ist eine Meldung an den Bürgermeister eine unnötige Bürokratie und wird daher abgelehnt
 

Der Buckfastzuchtverband Österreich war bisher nicht an den Gesprächen zum neuen Steirischen Bienenzuchtgesetz involviert. Da das neue Gesetz auch Buckfastimker und Buckfastzüchter in größerem Ausmaß betreffen wird, würden wir es begrüßen, dass auch wir unsere Sicht der Dinge den betreffenden Stellen näher bringen können. Wir freuen uns daher auf zielführende Gespräche.

 

Der Vorstand des Österreichischen Buckfastzuchtverbandes

 

 

Quellen:

[1] Prof. Dr. Martin Förster (2017) Zum besseren Verständnis: Buckfastbienen sind eine eigenständige Rasse

[2] http://www.imkerzentrum.at/wp-content/uploads/2016/02/JHV_2016_Imkerschule_2.pdf

[3] https://www.erwerbsimkerbund.at/offizielle-stellungnahme-zum-entwurf-des-neuen-steirischen-bienenzuchtgesetzes+2500+1138628

[4] https://deutscherimkerbund.de/userfiles/Wissenschaft_Forschung_Zucht/Zuchtrichtlinien_06_2017_docx.pdf

[5] Prof. Dr. Martin Förster (2018) Versuch einer Standortbestimmung: Das Zuchtprogramm für Buckfastbienen

 

 

 

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